| Familien mit Migrationshintergrund |
Hintergrundinformationen zu unserer Zielgruppe
Vielfalt e.V. hat sich mit seinen Leistungen insbesondere auf MigrantInnen und Bürger nicht-deutscher Herkunft spezialisiert. Der Grund dafür liegt in der Lage unserer Standorte in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln, wo ein besonders hoher Anteil von Bürgern nicht-deutscher Herkunft zu verzeichnen ist. Fast 90% unserer Klientel ist nicht-deutscher Herkunft und verfügt darüber hinaus über einen sehr unterschiedlichen Aufenthaltsstatus, der die familiäre Situation erheblich mitbestimmt. Die nationale, ethnische und kulturelle Herkunft von Migrationsfamilien auf der einen Seite und die Rahmenbedingungen der Aufnahmegesellschaft auf der anderen Seite prägen entscheidend die Chancen, die Integrationsbedingungen und allgemein das Leben in der deutschen Gesellschaft. Der Migrationsprozess ist höchst komplex und unterscheidet sich bei verschiedenen Gruppen und in seinen Auswirkungen bei verschiedenen Generationen. An dieser Stelle ist eine ausführliche Analyse daher nicht möglich. Dennoch soll ein kleiner Einblick in die besondere Bedarfslage von MigrantInnen gegeben werden. Gerade in Kreuzberg und Neukölln kann man die Entwicklung ethnischer Systeme in bestimmten Regionen beobachten, die sich gegenüber der deutschen Gesellschaft z.T. stark abgrenzen. Solche „ethnic communities“ üben eine starke Integrationsfunktion aus, da sie mit ihren internen Netzwerken Unterstützung anbieten. Dort entwickelt sich z.B. innerhalb der ethnischen Strukturen ein paralleler Arbeitsmarkt, der jedoch nicht mit dem offiziellen zu vergleichen ist, da die Arbeitsbedingungen und Berufschancen dort deutlich schlechter sind. Dennoch hat das manchmal wiederum den Verzicht auf höhere Bildungs- und Berufsabschlüsse an deutschen Schulen zur Folge. Aber auch die Bildungssituation der Eltern spielt eine Rolle für die berufliche Orientierung der Kinder. So haben über 60% der Eltern oder Elternteile unserer Klientenfamilien selbst keinen Schulabschluss und/oder geringe Sprachkenntnisse, einige unter ihnen sind sogar Analphabeten. Daher haben sie auch auf dem Arbeitsmarkt geringere Möglichkeiten. So sind Familien nicht-deutscher Herkunft stärker von Armut betroffen, was wiederum die Bildungschancen ihrer Kinder erheblich beeinträchtigen kann. Bis heute gibt es leider noch wenige allgemein erprobte und gesellschaftspolitisch akzeptierte Konzepte zur Verbesserung der Sprachkompetenz der SchülerInnen nicht-deutscher Herkunft. Das alles sind Gründe, weshalb z.B. türkisch- & arabischstämmige Jugendliche auffallend häufig einen niedrigeren Schulabschluss erreichen als deutsche Schüler. Daraus resultiert nicht nur eine relativ niedrige gesellschaftliche Akzeptanz, sondern auch ein Ausschluss aus weiten Teilen des gesellschaftlichen Lebens. Häufig führt finanzielle Not auch zu einem verstärkten Rückzug in den Familienverbund, bzw. in die ethnic community. Bezüglich der unter 55-jährigen türkischen Ehefrauen wird bundesweit der Lebensunterhalt zu ca. 65% durch den Ehemann und die Eltern bestritten. Das bedeutet, sie sind in der Mehrheit vom Ehemann oder den Eltern finanziell abhängig. Die ethnischen Normen der Immigranten lassen tendenziell einen Aktionsraum für die Frauen fast nur innerhalb der Verwandtschaft zu. Daraus resultiert eine gewisse Isolation von der Aufnahmegesellschaft, eine ungleich höhere Isolation bzw. Stigmatisierung durch die ethnic community im Falle einer Trennung vom Ehepartner und dadurch eine stärkere Belastung für alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern.
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Von enormer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch das Einkommen der Familie. Insgesamt läßt sich feststellen, dass die Einkommensituation der Familien verhältnismäßig schlecht ist. So dürfte die überwiegend mangelnde Berufsausbildung u.a. dazu führen, dass 70% unserer Klienten Arbeitslosengeld oder –hilfe bzw. Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen.